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“Unser” Haus-Chinchilla und seine Verwandten
Ein kurzer Steckbrief des Haus-Chinchillas
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Deutscher Name:
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Langschwanz-Chinchilla
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Lateinischer Name:
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chinchilla lanigera
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Lebenserwartung:
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15 – 22 Jahre
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Körperlänge:
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25 – 30cm
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Schwanzlänge:
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15 – 20cm
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Gewicht (normalerweise):
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500 – 600g
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Gewicht möglich (min/max):
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400g / 1000g
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Geschlechtsreife:
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mit 4 – 5 Monaten
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Dauer des Sexualzyklus:
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28 Tage
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Trächtigkeitsdauer:
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111 Tage
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Anzahl der Jungen pro Wurf:
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1 – 4
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Anzahl Würfe pro Jahr:
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bis zu 3
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Säugeperiode:
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8 – 10 Wochen
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Körpertemperatur:
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37.5 – 38.5 Grad C
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Herzfrequenz:
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200 – 240/Min
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Atemfrequenz in Ruhephase:
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80 – 120/Min
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Fellfarbe: (Stammform, „Standard“
genannt, andere Farben sind erst durch Züchtung entstanden)
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hell- oder dunkelgrau mit heller oder
weißer Körperunterseite
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optimale Luftfeuchtigkeit liegt bei
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50 - 60 %
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Haltung bei einer Temperatur von
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20 - 22 Grad Celsius
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Zoologisch gehört das Chinchilla zur Art der „Wollmäuse“ und hat viele Verwandte,die ebenfalls in seiner Heimat, Südamerika,
anzutreffen sind, drei davon sind:
Das Viscacha
Das Viscacha ist der größte Vertreter in der Familie der Chinchillas. Es ist vom Aussterben bedroht, weshalb in Zoos versucht wird, diese Art
zu erhalten. Die weltweit größte und älteste Zucht befindet sich im Zoo bei der Stadt Zürich (Schweiz). Wir danken für die freundliche Genehmigung zur Verwendung dieses Bildes.
Das Meerschweinchen
Wer kennt nicht dieses beliebte Haustier? Obwohl die Lebensweise nicht unterschiedlicher sein könnte (z.B. Ernährung, tagaktiv) ist es dennoch eng mit den Chinchillas verwandt.
Das Degu
In Chile beheimatet. In Art der Ernährung und Anspruch der Haltung sehr ähnlich dem Chinchilla. In ihrem natürlichen Lebensraum leben sie jedoch nur bis etwa
1200 m. ü. Meer und sind tag- und dämmerungsaktiv. Wir danken dem Verein „degus.ch“ für die freundliche Genehmigung zur Verwendung dieses Bildes. |
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D as wildlebende Chinchilla
Die Heimat der Chinchillas liegt in Südamerika, in einem Teil der Bergwelt der Anden von Chile, Bolivien, Peru und Argentinien in einer Höhe von 2000
– 4000 m.ü.M. Das Klima ist sehr regenarm, die Luftfeuchtigkeit gering und die Temperaturen zwischen Tag und Nacht schwanken sehr stark. Gegen
diese Widrigkeiten ist das Chinchilla jedoch mit seinem Fell, welches 60mal dichter als menschliches Haar ist, optimal geschützt.
Wegen der Trockenheit haben die Chinchillas in ihrer Entwicklung kein wasserabstoßendes, selbstfettendes Fell ausgebildet, weshalb sie
empfindlich auf Feuchtigkeit reagieren. Um ihr Fell zu pflegen und zu reinigen, wälzen sie sich im trockenen Gesteinsstaub und schütteln ihn samt den Schmutzrückständen wieder ab.
Obwohl dieses Klima nur wenig Vegetation gedeihen lässt und demzufolge das Nahrungsangebot karg ist, lebt das Chinchilla nicht als Einzelgänger,
sondern in Gruppen, die ganze Kolonien bilden können. Sie sind auf Genügsamkeit spezialisiert, weshalb sie Artgenossen nicht zwingend als Nahrungskonkurrenten ansehen. Wahrscheinlich hat dieses
Gruppenverhalten auch eine Schutzfunktion vor Feinden.
Sie sind nacht- und dämmerungsaktiv, weshalb ihr Geruchs- und Hörsinn
ausgeprägter als ihr Sehvermögen ist. Den Tag verschlafen sie in natürlichen Felsspalten oder Höhlen. Diese graben sie allerdings nicht selbst. Es ist
beobachtet worden, dass sie sich als „Untermieter“ bei anderen Nagetieren, z.B. der Chinchillaratte einquartieren.
Ihre Nahrung besteht aus Kakteen, Steppengräsern, Wurzeln, Pflanzensamen und Rinde von Büschen und Sträuchern. Diese ist sehr
energiearm, aber rohfaserreich. Um diese Nahrung voll verwerten zu können, haben sie einen langen Darm entwickelt. Aber Chinchillas
sind auch „Schleckermäuler“, besonders die Früchte des Quisco, einer Kaktusart, sind beliebt. Diese fallen bei ihrer Reife zu Boden.
Es ist beobachtet worden, dass Chinchillas diesen Zeitpunkt nicht abwarten können. Dann nagen sie den Kaktus an, gelangen in sein
inneres, holzartiges Röhrensystem, klettern innen hoch und nagen in verschiedenen Höhen „Fenster“ durch den Stamm und kommen so an die beliebten Früchte.
Die Feinde des Chinchillas sind Adler, Eulen und Füchse. Davor schützen sie sich gegenseitig, indem sie immer aufmerksam sind und
ihre Artgenossen durch Ruflaute bei Gefahr warnen. Ihre nackten Fusssohlen bieten ihnen optimalen Halt auf dem steinigen Gelände
und lassen sie blitzschnell in Spalten und Erdlöchern verschwinden. Auch haben die Chinchillas in ihrer Evolution einen „Trick“
entwickelt, der sie vor den Feinden schützt: Die Haare ihres Felles können Sie bei Gefahr abstoßen, so dass Feinde nur eine
„Schnauze voller Haare“ erwischen. Leider konnte die Evolution einen Feind nicht einplanen: DEN MENSCHEN.
Eindrucksvolle Bilder von „wilden“ Chinchillas sowie ihrem Lebensraum haben wir auf der Homepage der „Save the wild chinchillas“
entdeckt (wildchinchillas.org). Sie stammen von dem bekannten Wildtierfotografen Roland Seitre. |
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Das Chinchilla und der Mensch
Die Begegnung mit dem Menschen war für das wildlebende Chinchilla, freundlich ausgedrückt, eine Katastrophe.
Bereits um 900 v. Chr. sollen Indianer die seidenweichen Haare ihres Felles zu Garn
versponnen haben. Auch die alten Inkas stellten Pelze aus Chinchillafell her. Das Tragen solcher Pelze war jedoch ihren Sonnenkönigen vorbehalten. Man muss den Ureinwohnern zugute halten, dass sie nie
eine Gefahr für den Bestand der Tiere darstellten. Dies änderte sich erst mit Ankunft und Eroberung des Kontinentes durch die Europäer ab dem 16. Jahrhundert. Die Eroberer hatten ein solches Fell noch
nie zuvor gesehen und so wurden diese schnell eine begehrte „Handelsware“. Und als „Chinchillapelz-Tragen“ in Europa in Mode kam, hatten die Chinchillas endgültig nichts mehr zu lachen! Millionenweise
wurden die Tiere gejagt und erlegt und die Populationen der bekannten Chinchilla-Arten nahm dramatisch bis zur zunächst vermuteten, völligen Ausrottung ab. Zwar wurde ab 1929 versucht, die sinnlose
Verfolgung dadurch zu beenden, indem man die Chinchillas gesetzlich unter Schutz stellte. Dies hielt Wilderer jedoch nicht davon ab, die Tiere weiter zu bejagen. Der zu erzielende Profit durch die
begehrten Felle war zu groß (so kostete 1928 ein in Bolivien hergestellter Pelzmantel 500.000 Goldmark).
Das Kurzschwanz-Chinchilla (lat. Chinchilla chinchilla) gilt wie seine Unterarten, dem Königs-Chinchilla (Chinchilla chinchilla chinchilla, die grösste Art, die es gab) und dem Kleinen Kurzschwanz-Chinchilla (Chinchilla chinchilla boliviana) als ausgestorben.
Auch von „unserem“ Heim-Chinchilla, dem Langschwanz-Chinchilla (chinchilla laniger) nahm man zunächst an, dass es in freier Wildbahn ausgestorben sei.
Doch dann wurde zu Beginn der
siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts eine kleine Population in Chile wiederentdeckt. Diese wurde durch die chilenische Regierung unter strengen Schutz gestellt. Auch richtete sie 1983 das „Las
Chinchilla Reservat“ ein. Dort wird versucht, den durch Landwirtschaft, Jagd und Rohstoffabbau zersplitterten Lebensraum der Chinchillas wieder her zu stellen, indem man Pflanzenarten wieder aufforstet,
von denen es ernährungsbedingt abhängig ist. Auch wird die Lebensart dieser Tiere erforscht, von der immer noch sehr wenig bekannt ist.
Es ist zu hoffen, dass durch diese Maßnahmen die letzten
freilebenden Chinchillas es schaffen werden, zu überleben. Und vielleicht werden wir eines Tages bei einem Besuch in diesem Reservat auch wieder beobachten können, was Alfred Edmund Brehm 1864 in seinem
„Illustrierten Tierleben“ beschrieb und uns heute exotisch erscheint (den „Schuss“ zum Schluss wollen wir lieber vergessen), in Klammern einige Anmerkungen:
„Der Reisende, welcher von der
westlichen Küste Südamerikas die Cordilleren (Anden) empor klimmt, gewahrt, wenn er einmal eine Höhe von acht- bis elftausend Fuß (2467- bis 3392 Meter) erreicht hat, oft meilenweit alle Felsen von
dieser Chinchilla.... bedeckt. In Peru, Bolivien und Chile müssen die Tiere überaus häufig sein, denn wir erfahren von Reisenden, dass sie während eines Tages an Tausenden vorübergezogen sind.... Gerade
an den scheinbar ganz kahlen Felswänden treiben sie sich umher, ungemein schnell und lebhaft sich bewegend. Mit überraschender Leichtigkeit klettern sie an den Wänden hin und her, welche scheinbar keinen
Ansatz bieten. Sie steigen 20 bis 30 Fuß (6 bis 9 Meter) senkrecht empor mit einer Gewandtheit und Schnelligkeit, dass man ihnen mit dem Auge kaum folgen kann. .....eine Felswand, welche mit Hunderten
bedeckt ist, erscheint in derselben Minute tot und leer, in welcher man einen Schuss gegen sie abfeuert.....“
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Wie das Chinchilla zum Haustier wurde
Bereits im 19. Jahrhundert konnten Chinchillas in Zoos bewundert werden. So 1829 in London und 1865 in Hamburg. Aber die Zoos waren an ihnen wohl eher als Sensation und Publikumsmagnet interessiert
(Exotisches war damals absolut in Mode), als an eine gezielte Nachzucht. Für die nachtaktiven Tiere waren diese „Gastspiele“ wohl eher eine Qual.
Der Beginn der gezielten Domestizierung ist im
kommerziellen Bereich zu suchen. Da die natürliche Population der Chinchillas massiv abgenommen hatte, versuchte man immer wieder, die Tiere in Gefangenschaft nach zu züchten, was aber kläglich
scheiterte. Man wusste einfach zu wenig über die Lebensgewohnheiten und Ernährung dieser Fellknäuel. Erst 1923 gelang es dem amerikanischen Bauingenieur M.F. Chapman mit elf eingefangenen
Langschwanz-Chinchillas eine Zucht in den USA aufzubauen trotz großer Anfangsschwierigkeiten und herber Rückschläge. Durch langes Herumexperimentieren entwickelten er und seine Angestellten Fütterungs-
und Haltungsbedingungen, bei denen die Tiere gesund blieben und sich auch fortpflanzten. Diese elf Chinchillas gelten als „Stammeltern“ der heute weltweit gepflegten Tiere. Auch wurde versucht, durch
gezielte Kreuzungen andere Fellfarben zu erreichen. So wurde z.B. 1955 das erste weiße Chinchilla in den USA geboren. So entstanden nach und nach alle heute bekannten „Farben“.
Vom „Züchtungstier“
zum Haustier war der Weg nun nicht mehr weit. Es ist nicht belegt, wer der erste Chinchilla-Halter war, der diese putzigen Fellknäuel aus reiner Liebe und Freude zum Tier bei sich zu Hause hielt und
dabei nicht an den Profit dachte. In Deutschland gilt als Beginn der Heimtierhaltung der Anfang der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts.
Jedoch war es zu Beginn ein recht kostspieliges und
exklusives Hobby, man denke z.B. an die Spezialnahrung, die meist selbst hergestellt werden musste. Dies hat sich glücklicherweise mittlerweile geändert und jeder kann sich heutzutage den Traum vom
„eigenen“ Chinchilla erfüllen. Dies ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Chinchilla-Haltung anspruchsvoll ist und man sich vor der Anschaffung über diese Tiere minutiös informieren und sich
dies genau überlegen muss! Guido
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